Christoph Forster (Q4062)
Redaktionsnotiz (Los F2-F, 2026-08-12): 1597 ist das Testament, nicht der Tod
Dieses Item trägt bewusst KEIN `strittig` — anders als das seines Bruders Hans (Q4061). Rezept 21 verbietet ausdrücklich zu flaggen, „obwohl die Quellen es auflösen", und hier lösen sie auf: Thieme-Becker führt Christof Forster als „1597 gestorben"; Wolfgang Altfahrt, Das Testament von Hans Forster (auch von Christof Forster), TALON 4 (1995), S. 28, zitiert das Begräbnisprotokoll von St. Stephan: „Am Dienstag, den 13. Jänner 1599 wurde Christof Forster, Kartenmaler, begraben, wofür 1 Gulden an Gebühren eingehoben wurde." 1597 ist das Jahr der Testamentsabfassung (29. Juli 1597), nicht des Todes; eröffnet wurde das Testament am 9. März 1599.
Die neue Station 1589–1599 steht neben der Bestands-Station 1568–1597, sie ersetzt sie nicht. Sie bildet das archivalisch belegte Fenster ab: im März 1589 bezahlte „Christof Forster, Kartenmaler" zwei Gulden für das Bürgerrecht (Rechnungsbuch des Oberkämmerers Paul Steyrer, Rubrik „Empfang vom burgerrecht"), und im Jänner 1599 wurde er als „kartenmaler" begraben. 1584 war er noch etwas anderes: das Testament seines Bruders nennt ihn und Tobias „beide der Fürstl. Hoheit Erzherzog Karls zu Österreich Leibtrabanten".
Die Witwe hat jetzt einen Namen. Das Los F2-E hielt fest, Christof Forsters Witwe bleibe unbenannt und bekomme deshalb kein Item. Der Primärtext nennt sie: „Primo junii: Hanns Holderit von Kempten ein Kartenmaler allhie nimmt Anna weiland Christoffen Forsters hinterlassene Wittib" (Trauungsprotokoll St. Stephan, zitiert ebd. S. 28). Ein Item bekommt sie trotzdem nicht — der zweite Grund steht unverändert: eine Fortführung der Werkstatt ist nicht belegt, und A9 legt Witwen-Items gerade dafür an. Christofs erste Frau hieß Catharina und starb 1594; ein Kind wurde am 16. Juli 1597 begraben, dreizehn Tage vor der Testamentsabfassung.
Auch Holteriet ist kein Nachfolger. Er war bei der Heirat am 1. Juni 1599 bereits „ein Kartenmaler allhie" — die Quelle behauptet keine Übernahme der Werkstatt.
Redaktionsnotiz (Los F2-E, 2026-08-12): Die Brueder Forster und der Kartenmacher, der die Witwe heiratete
Wolfgang Altfahrt, Ein Schaf spielt Dudelsack (TALON 21/22/2013, S. 90), gibt die Verwandtschaft ausdruecklich an: „Christof war der jüngere Bruder des bekannten Wiener Kartenmachers Hans Forster. 1584 wurde er Leibtrabant bei Erzherzog Karl, 1589 erhielt er das Bürgerrecht, sodaß er sich fortan ‚Kartenmacher zu Wien‘ nennen durfte. Ob er die Werkstätte seines fünf Jahre zuvor verstorbenen Bruders weiterführte ist unbekannt. Nach seinem Tod 1599 heiratete seine Witwe den Kartenmacher Hans Holterit."
Daraus folgen drei Entscheidungen:
- Die Verwandtschaft ist jetzt beidseitig. Im Bestand zeigte nur dieses Item auf Hans
Forster; die Gegenrichtung fehlte — dieselbe Fehlerklasse wie in G16 §3.4 (die Infobox liest nur eigene Statements, die Familie war in einer Richtung unsichtbar).
- Keine Nachfolge Hans → Christof. Die Quelle sagt woertlich, dass es „unbekannt" ist.
- Keine Nachfolge Christof → Hans Holteriet und kein Item fuer die Witwe. Die Quelle
belegt nur die Heirat, nicht die Fortfuehrung der Werkstatt; und die Witwe ist unbenannt, ohne belegten eigenen Betriebsabschnitt — die Witwen-Konvention A9 greift damit nicht.
Nebenbefund zur Schreibung: Die Boegen selbst tragen „[CHRI]STOF FOSTER [sic!] KARTENMALER ZV WIEN" — „Foster" ohne r. Die Form steht jetzt als Alias.
Spiele
| Name | Abbildung | Blatt | Typ/Muster | Erscheinung | Stempel |
|---|---|---|---|---|---|
| Standardkarten (Christof Forster, Wien, Druckbogen um 1570) (Q13805) | deutsches Blatt | 1570 |